Die Welterbestadt Goslar hat für Besucher und Einheimische eine neue Attraktion bekommen. Am Sonntag, 14. Oktober 2007, wurden zwei "Pilgerwege durch die mittelalterliche Stadt Goslar" eröffnet. Auf diesen Wegen (einmal von Westen nach Osten und einmal von Süden nach Norden) wird man an historischen Kirchen, Gebäuden und ehemaligen Klöstern entlang geführt.

Das „Anpilgern“ der Pilgerwege unter Beisein von Landesbischof Dr. Friedrich Weber war ein voller Erfolg, stellen sich doch bei strahlendem Sonnenschein mehr als 100 Pilgerinnen und Pilger an der Domvorhalle ein. Nach einer Begrüßung durch Pfarrer Ralph Beims dankte Landesbischof Dr. Weber der Arbeitsgruppe der „Offenen Kirche“ Goslar und eröffnete den ersten Pilgerweg in der Landeskirche Braunschweig. Danach referierte Propst Helmut Liersch über den Goslarer Dom als spirituelle Keimzelle Goslars. Weitere Pilgerstationen waren das mittelalterliche Hospital „Großes Heiliges Kreuz“, in dem Helga Hedermann über Hospize sprach. Kirchenpädagogin Dorothée Prüssner erläuterte an der Marktkirche das „Goslarer Kirchenkreuz". Beim Halt an der Jakobikirche erinnerte Dechant Kuno Kohn an den Sinn des Pilgerns. Schließlich fanden sich die Pilgernden im Kräutergarten der Neuwerkerkirche ein, den Pfarrer Werner Böse in seiner spirituellen Bedeutung würdigte. Eine Pilgersuppe rundetet das Pilgern ab.

Pilgerwege sind "Reisewege", auf die sich Menschen begeben, um an verschiedenen Stationen innezuhalten. Es sind nicht nur die bekannten Pilgerwege, die Menschen anlocken. Der evangelisch-lutherische Kirchenverband Goslar mit dem Projekt "Offene Kirche" hat einen Pilgerweg konzipiert, auf dem sich die Schönheiten der Stadt nicht nur kunsthistorisch sondern auch meditativ erschließen. Goslar bietet gerade für die mittelalterliche Bausubstanz auch heute noch viele Anhalts- und Besichtigungspunkte. Die Stadt wurde im Krieg nicht zerstört. Es ist somit eine andere Art der "Stadtführung". Dazu wurde eine Broschüre erstellt, die den Wanderer an die Hand nimmt und auf den Spuren des Goslarer "Kirchenkreuzes" alle Schönheiten erläutert.

Goslars Kirchenlandschaft und Stadtbild basiert auf der im Mittelalter beliebten Anlage einer Stadt nach dem Vorbild des Heiligen Jerusalem. Dazu gehörte ein Kirchenkreuz und eine Stadtmauer mit zwölf Toren. Dieses Stadtbild findet man auch heute noch in Goslar, das nun auf diesen Pilgerwegen "ergangen" werden kann. Mit der handlichen Broschüre findet der Pilger in den Kirchen, Hospitälern und auf Wegen Hinweise auf die historischen und heutigen Inhalte.

Das Goslarer Kirchenkreuz wird markiert durch die große, alle Dächer überragende Marktkirche. Sie ist der Mittelpunkt des Kreuzes. Dieses erstreckt sich nach Westen bis zur Frankenberger Kirche und im Osten bis zur St. Stephanikirche. Der Gang von Süden nach Norden beginnt zu Füßen des Rammelsberges, des Hausberges Goslars. Über die Marktkirche führt dann der Weg nach Norden bis zur Neuwerkkirche und aus den ehemaligen Goslarer Stadtmauern hinaus zu den damals vor der Stadt liegenden Klöstern. Von diesen bereits im 16. Jahrhundert zerstörten Anlagen findet der Wanderer noch die Ruinen, die auf ihre Bedeutung durch ihre Größe aufmerksam machen.

So ergibt sich eine Möglichkeit, diese Stadt einmal auf einem anderen, besinnlicheren Weg zu erkunden. Die Broschüre, die zum Preis von € 4,50 in der Marktkirche, der Neuwerkkirche und der Tourist-Information zu bekommen ist, hilft, sich auf den Weg zu machen. Sie erläutert eindrucksvoll die zu besuchenden Orte. Ein Stadtplan mit den eingezeichneten Routen hilft visuell, sich in dieser Stadt mit ihren engen Gassen zurechtzufinden.

Antje Krüger

Landesbischof Dr. Friedrich Weber bei der Eröffnung der "Pilgerwege durch Goslar" vor der Goslarer Domvorhalle
Der Redaktionskreis des Pilgerheftes (von links): Pfarrer Ralph Beims, Klaus Dvornizak, Regine Wilde, Helga Hedermann, Dorothée Prüssner mit Landesbischof Dr. Friedrich Weber
Kirchenpädagogin Dorothée Prüssner erklärt den Pilgernden vor der Westfassade der Marktkirche das "Goslarer Kirchenkreuz"